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Vereinshistorie Ausführlich
Die Geschichte des Musikvereins Heinsberg

Die Musik. Welch wunderschöne Musenkunst, die seit jeher dem Menschen Freude brachte. Es ist eben diese ursprüngliche menschliche Äußerung, die in unserem trauten waldumsäumten Dörfchen im Jahre 1928 etwas neues und fundamentales entstehen ließ.


20 Heinsberger Musikfreunde gründeten am 15. Februar 1928 einen Musikverein. Die Männer der ersten Stunde waren Anton Schulte, Johann Schulte, Rudolf Schulte, Hermann Schulte, Bernhard Schulte, Anton Schulte jun., Ferdinand Flöper, Martin Flöper, Toni Richard, Alois Richard, Heinrich Balzer, Otto Balzer, Willi Gothen, Albert Gothen, Eberhard Heimes, Theodor Reichling, Peter Reichling, Rudolf Schwermer, Norbert Löcker und August Heyduk.

Dicht gedrängt in der guten Stube im Hause Anton Schulte wurden die ersten Übungsstunden abgehalten. Beseelt vom Idealismus und Liebe zur Musik wurde der Anfang gemacht. Die Leitung des Heinsberger Musikvereins lag 1928 in Händen von Kapellmeister Anton Schulte, der bei der Militärkapelle des Inf. Rgt. 143 während der ersten Weltkrieges seine musikalische Ausbildung hatte und somit dem Musikverein Heinsberg einen guten Start bescherte.

Viel persönlicher Mut, viel Kleinarbeit und die Fähigkeit zum Weitermachen, gehörten dazu, dem Verein den richtigen Schwung zu geben. Auch wenn es darum ging, neue Instrumente anzuschaffen. Diese wurden geschlossen im sächsischen Vogtland, in Klingenthal bei der Firma Franz Michl gekauft. So erreichte man einen geschlossenen Stimmungsklang.

Die Instrumente kosteten zusammen runde 1.600 Reichsmark. Das war damals viel Geld! Für jeden Musiker bedeutete das immerhin 100 RM. Die Familie Schulte (Andreisens) musste sogar eine Kuh verkaufen, für die sechs Familienmitglieder nicht einfach. Als die Instrumente aus Sachsen am Heinsberger Bahnhof ankamen, wurden sie unter großem Halloh und fröhlichem Gesange per Schubkarre, verpackt in einer großen Kiste, nach dem Hause Andreisens befördert.

 Nur wurde es den Musikern in diesem Hause irgendwann zu eng, so dass beschlossen, ein größeres Übungslokal zu bauen. Handwerker innerhalb des Vereins, sowie die übrigen Mitglieder, welche durch Hand und Spanndienste ihr bestes hergaben, konnte der Raum in kürzester Zeit fertiggestellt und zu Ostern 1930 feierlich bezogen werden.Im darauf folgenden Jahr, 1931, konnte der Verein auf dem Gesangswettstreit des MGV Condordia-Heinsberg erstmalig in der Öffentlichkeit auftreten.



Aber es gab nicht immer gute Zeiten. Gerade die folgende Jahre waren wohl die schwersten für den Musikverein. Durch Arbeitswechsel und Umzug hatte der Verein Mitglieder verloren, welche glücklicherweise durch Personen der Heinsberger Dorfjugend ersetzt werden konnten. Doch als der 2. Weltkrieg ausbrach, wurde der größte Teil der Musiker zu den Waffen gerufen, so dass der Vereinstrieb jäh abgebrochen wurde.

1946 fanden die bis dahin zurückgekehrten Musiker wieder zusammen und der Verein erwuchs zu neuem Leben. Doch kehrten drei Musiker nicht wieder zurück:

Willi Poggel (Königs), Willi Gothen (Wilmes) und Franz Schulte.

Doch auch nach Kriegsende sah sich der Musikverein in eine schwierige Lage versetzt. Da der bisherige Übungsraum an evakuierte bombengeschädigte Familien abgetreten werden musste, fanden die ersten Übungen im Hause des 1. Vorsitzenden Ferdinand Flöper statt.

 Als im Jahre 1948 der Musikverein sein erstes Fest zur Fastnacht ausrichtete, begannen Überlegungen über den Bau einer Vereinshalle für das Dorf. Da man damals weniger Diskutierte und eher mal zur Tat schritt, wurden schon am selben Abend 1000 RM gestiftet. Zur Finanzierung des Hallenbaus wurde 1948 das erste große Schützenfest nach dem Krieg ausgerichtet, worauf weitere Festlichkeiten folgten. Von sämtlichen Vereinen des Dorfes wurden diese Feierlichkeiten kostenlos zu Gunsten des Hallenbaus ausgeführt. Letztlich wurde 1949 die Schützenhalle im „Neuen Dorf“ fertiggestellt.

Am 9. und 10. Mai des Jahres 1953 war es dann soweit. Aufgrund seines 25jährigen Bestehens richtete der Musikverein Heinsberg ein Jubiläumsfest aus. Am Festprogramm beteiligten sich das Tambourcorps Saalhausen, der MGV Condordia Heinsberg, die Musikvereine Saalhausen, Kirchhundem, Rinsecke, Meggen, Walpersdorf, Dünschede, sowie die Musikzüge der freiwilligen Feuerwehr Brachthausen, Hilchenbach, Olpe und Heggen, das Musik-Corps Elspe und die Amtfeuerwehrkapelle Netphen. Die Leitung des Musikvereins Heinsberg lag in den Händen des Kapellmeisters Rudolf Schulte.



In den nächsten 25 Jahren blühte der Heinsberger Musikverein unter Leitung des besagten Kapellmeisters weiter auf. Und immer waren sie dabei, die Heinsberger Musiker, wenn es galt auf den Schützenfesten in Heinsberg, in Oberhundem, in Brachthausen, Marmecke und Saalhausen und diversen anderen Orten für den nötigen Schwung und Klang zu sorgen. Durch intensive Schulung von Nachwuchskräften und Bemühen junge Menschen für die Musikkunst begeistern zu können, gab es trotz vieler Einberufungen durch die Bundeswehr wieder einen Aufschwung. Im Jahre 1970 legte dann Ferdinand Flöper nach über 40jähriger Tätigkeit als erster Vorsitzender sein Amt nieder. Sein Nachfolger wurde Otto Klünker.

Am 13. Juni 1973 verstarb unser Ehrenmitglied und Dirigent Rudolf Schulte sen. , der 45 Jahre seit Gründung im Verein seine Pflicht tat, davon 36 Jahre als Kapellmeister.

Anton Schulte der Bruder des Verstorbenen übernahm die Kapelle als Dirigent. Auf dessen Grundstück wurde 1975 ein neuer Übungsraum geschaffen, da das bisherige Übungslokal in der Schützenhalle nicht mehr geeignet war. In dem neuen Übungsraum, der allseits beliebten „Musikbude“, probt unser Verein noch heute.


Am 28., 29. und 30. April 1978 feierte der Musikverein, 25 Jahre nach seiner letzten großen Jubiläumsfeier sein 50jähriges Wiegenfest. Am ersten Abend gab es ein großes Festkonzert des Musikverein Heinsberg unter Mitwirkung des MGV Concordia Heinsberg und Helberhausen. Das Festkonzert am 29. April gestalteten die Musikvereine Balve, Bilstein, Bracht, Freudingen, Langenei, Müsen, Neuenkleusheim, Rinsecke-Oberhundem und Saalhausen sowie die Stadtkapelle Siegen, die Musikkapelle Werthenbach und die Bollenbacher Berg- und Hüttenkapelle. Am 30. April folgte ein Festzug mit anschl. Festkonzert durch den Tambourcorps Grafschaft, den Spielmannszug Hilchenbach, die Musikvereine Albaum, Altenhof, Grevenbrück-Förde, Walpersdorf, sowie den Musikkapellen der freiwilligen Feuerwehr Brachthausen, Hilchenbach und Netphen.

 1977 hatten einige Musiker aus den Musikvereinen Albaum, Brachthausen, Heinsberg Oberhundem und Langenei die Idee, einmal im Jahr ein gemeinsames Konzert zu veranstalten, das sogenannte 5er Treffen. Dieses Musikfest entwickelte sich mit der Zeit zu einem Höhepunkt eines jeden Musikerjahres. Es bietet die Gelegenheit, Vereinskollegen aus den Nachbarorten kennenzulernen und auch den musikalischen Leistungsstand unserer heimischen Blaskapellen zu bewundern.

Die Proben für dieses Konzert sind für uns immer eine Motivation, neue anspruchsvolle Stücke einzuüben. Dadurch konnten wir im Laufe der Zeit unser Repertoire über die traditionelle Polka- und Marschmusik hinaus erweitern und z.B. Stücke von Eric Clapton oder Queen in unser Programm aufnehmen. Ende der siebziger Jahre unternahmen die Heinsberger Musiker die ersten größeren Ausflüge mit Anhang. So besuchte man 1978 das Nato-Musikfest in Mönchengladbach.

1980 übernahm Franz Schulte den Dirigentenstab von seinem Vater Anton Schulte.


Da ein Verein nur durch neue Mitglieder lebendig und frisch bleibt, starteten wir in den Jahren 1979 und 1980 eine große Nachwuchswerbeaktion. Diese wurde ein voller Erfolg. Im Rahmen dieser Aktion wurden nach einer hitzigen Debatte auch die ersten Musikerinnen in den Verein aufgenommen. Seit dieser Zeit bemühen wir uns kontinuierlich darum, junge Menschen dafür zu begeistern, ein Musikinstrument zu erlernen. Die Ausbildung wird von professionellen Musiklehrern durchgeführt. Die Organisation der Übungsstunden und die Bereitstellung der Instrumente übernimmt der Musikverein. Seit kurzem stellen unsere jungen Talente ihr Können auch erfolgreich bei Lehrgängen des Volksmusikerbundes unter Beweis.


Aber auch die altgedienten, gestandenen Musiker sollen bei uns zu ihren Ehren kommen. Daher beschloss man auf der Generalversammlung im Jahr 1981, dass Musiker, die länger als 40 Jahre dem Verein angehören, automatisch zu Ehrenmitgliedern werden.

Im Sommer 1982 übernahm der Musikverein die musikalische Gestaltung des Pfarrfestes in Essen. Dieses war der bisher am weitesten von Heinsberg entfernte Auftritt in unserer Vereinsgeschichte. Zwei Jahre später, 1984, packten alle Vereinsmitglieder kräftig bei der umfangreichen Renovierung des Proberaumes mit Pflasterung des Vorplatzes an. Auch 1990 waren noch einmal handwerklicher Einsatz und Eigenleistung gefragt. Dieses Mal erhielt unsere Musikbude eine neue Eingangstreppe, einen Windfang und eine neue Stützmauer.

1986 legten die Musiker für einen Abend ihre Instrumente nieder und nahmen am Chorwettstreit der Heinsberger Vereine teil. Mit dem herzergreifenden Stück "Rosemarie" und dem neuen Vereinslied konnten wir leider nicht auf den vorderen Plätzen landen, so dass wir uns in der Folgezeit wieder auf die Blasmusik konzentrierten. (Jedoch versuchte es ein kleiner Teil des Musikvereins, die „ Süssen Bäumchen“, am 20. Oktober 2001 nochmal. Beim vom Frauenchor Heinsberg ausgerichteten Straßensängerfest, belegten wir den dritten Platz.)


Im Sommer 1986 feierte der Musikverein sein 60-jähriges Jubiläum mit einem großen Fest. An zwei Tagen gratulierten befreundete Gastvereine und die Heinsberger Bevölkerung zu dem runden Geburtstag.

 Im Mai 1989 unternahmen wir unseren ersten mehrtägigen Ausflug. Nachdem wir die Stadt Heidelberg besichtigt hatten, besuchten wir Karl Flickinger in Leinsweiler in der Pfalz.

Da uns die weiten Busfahrten so gut gefielen, machten wir 1990 einen dreitägigen Ausflug nach Zell am See und fuhren 1992 sogar vier Tage lang nach Prag. Zwei Jahre später resten wir nach Thüringen und besichtigten dort die Städte Erfurt und Weimar. Die Schönheit des Kleinwalsertals erkundeten wir 1997 und 2002 erlebten wir das mittelalterliche Bamberg.


Im Jahr 1989 brachten wir Peitz Hannes ein Abschiedsständchen, denn er hatte den Zapfhahn im Gasthof Sellmannn, unserem langjährigen Vereinslokal, für immer zugedreht.


 Der Höhepunkt des Jahres 1994 war für Heinsberg die große Meilerwoche, an der sich natürlich auch der Musikverein beteiligte. Mit unseren musikalischen Auftritten trugen wir zum Gelingen der Festivitäten und zur gemütlichen Stimmung am Meilerplatz bei.

Im folgenden Jahr gestalteten wir musikalisch den Festakt anlässlich der 650 Jahr-Feier unseres Heimatortes und traten auch auf dem historischen Markt an der Kirche auf.

Dass die Heinsberger Musiker echte Frohnaturen sein können, bewiesen sie erstmals 1996 bei der Teilnahme am größten Karnevalszug in Südwestfalen in Attendorn.

Ein sehr wichtiges Ereignis für unseren Verein war die Erlangung der Rechtsfähigkeit im Jahr 1997 durch die Eintragung in das Vereinsregister. Seit dem 28.09.1997 sind wir ein eingetragener Verein (e.V.).



Im Jahr 2002 sollte noch einmal ein Meiler in Heinsberg angezündet werden. Wieder packten alle Dorfbewohner für einen guten Zweck an, die Finanzierung der neuen Friedhofskapelle. Auch der Musikverein war mit seiner zünftigen Meilermusik selbstverständlich wieder mit von der Partie.



Unser Kapellmeister Franz Schulte konnte 1998 auf 20 Jahre Dirigententätigkeit zurückblicken. Als Geschenk hatten die Musikerinnen eine große Geburtstagstorte mit Wunderkerzen und der Aufschrift "Für unseren süßen Franz" gebacken.

Zu den Höhepunkten im Vereinsleben des Musikvereins Heinsberg gehört nicht zuletzt auch die alljährige Weihnachtsfeier. Diese besticht nicht nur durch das zünftige Essen sowie das Beisammensein mit Weib und Wein. Sondern vor allem durch das ausgefallene Programm, welches wie das nebenstehende Foto zeigt, bei so manchem einen bleibenden Eindruck hinterlässt.



Das Jahr 2003 war für uns ein Rekordjahr. In unserem Jubiläumsjahr nahmen wir zwischen Mai und September an insgesamt 11 Schützenfesten teil.